Risikomanagement für KMU
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In der heutigen schnelllebigen Zeit sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einem stetigen Wandel und einer Häufung unvorhersehbarer Herausforderungen ausgesetzt. Dies führt dazu, dass meist die wichtigsten und dringendsten Aufgaben angegangen werden, und oft wird das Risikomanagement vernachlässigt, da vermeintlich alles in geordneten Bahnen läuft. Aber gerade unerwartete Ereignisse können bei KMU nicht immer leicht abgefedert werden. Daher lohnt es sich auch für KMU, ein effektives Risikomanagement aufzubauen und innerhalb des Betriebs zu implementieren. Effektives Risikomanagement unterscheidet sich bei Grossfirmen und KMU hinsichtlich der Ressourcen und der Struktur. Während Grossfirmen meist auf umfangreichere Ressourcen und Prozesse zurückgreifen können, sind KMU oftmals agiler und schneller in der Entscheidungsfindung.
Auch in der Beschaffung spielt das Risikomanagement eine entscheidende Rolle. Die Abhängigkeit von Lieferanten birgt Risiken in Bezug auf Qualität, Verfügbarkeit und Preisgestaltung. Ein effektives Risikomanagement in der Beschaffung hilft, mögliche Engpässe frühzeitig zu erkennen und geeignete Massnahmen zur Stabilisierung der Lieferkette zu ergreifen. Es empfiehlt sich, mit einfachen Aktivitäten zu beginnen und auch grössere, längerfristige Themen, zum Beispiel die Weiterentwicklung der Risikokultur anzustossen.
Starten Sie einfach
Ein integriertes Risikomanagement, das alle Geschäftsbereiche umfasst, ist zweifellos erstrebenswert. Dennoch empfehle ich Ihnen: Beginnen Sie klein und bauen Sie Ihr Risikomanagement schrittweise auf. Ein effektiver Ansatz kann zum Beispiel darin bestehen, durch ein einfaches Risikoassessment relevante Risiken für Ihr Unternehmen zu identifizieren und darauf basierend erste Massnahmen zu planen. Der Einbezug Ihrer Mitarbeitenden darf dabei nicht vergessen gehen, da ihre Perspektiven wertvolle Erkenntnisse liefern. Insbesondere in der Beschaffung kann eine regelmässige Überprüfung der Lieferantenbeziehungen und deren Risikoprofile die Resilienz der gesamten Lieferkette stärken.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Risikoappetit eines Unternehmens, der die Bereitschaft beschreibt, Risiken einzugehen, um Chancen zu nutzen und strategische Ziele zu erreichen. Dieser sollte mit der Risikokapazität im Einklang stehen, also der maximalen Menge an Risiken, die das Unternehmen ohne Existenzgefahr tragen kann. So kann ein Unternehmen, das in einem stark regulierten Markt agiert, einen geringeren Risikoappetit aufweisen als ein Start-up, das sich in einer schnell verändernden Branche bewegt. Diese Erkenntnisse dienen als erste Anhaltspunkte, um abzuschätzen, wie viel ein Unternehmen bereit ist, in sein künftiges Risikomanagement zu investieren.
Was ist eine Risikokultur, und wie können wir diese fördern?
Die Risikokultur ist ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements und beschreibt, wie Risiken im Unternehmen wahrgenommen, kommuniziert und behandelt werden. Sie kann nur aufgebaut werden, wenn eine Atmosphäre mit hoher psychologischer Sicherheit innerhalb des Unternehmens vorherrscht. Bei einer bereits positiven Unternehmenskultur lässt sich schon mit einfachen Hebeln eine Risikokultur aufbauen und weiterentwickeln. Neben den
klassischen Massnahmen, wie Schulungen, eignen sich auch spielerische Ansätze oder Motivationssysteme mit Belohnungsmechanismen.
Im Kontext der Beschaffung bedeutet eine positive Risikokultur, dass Mitarbeitende nicht nur bereit sind, Risiken zu melden, sondern auch aktiv an der Identifizierung von Chancen und Verbesserungen in der Lieferkette mitwirken. Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, dass ihre Beiträge wertgeschätzt werden, sind sie eher bereit, proaktiv zu handeln und auf Risiken hinzuweisen.
Wie zeichnet sich eine offene positive Risikokultur aus?
- Führungskräfte als Vorbilder für eine positive Risikokultur
- Offene Kommunikation über Risiken
- Transparente, regelmässige Berichterstattung über Risiken
- Wahrnehmung möglicher Chancen neben Risiken
- Mitarbeitende zu Identifikation und Meldung von Risiken auffordern
- Gemeinsame regelmässige Überprüfung und Aktualisierung der Risikomanagementmassnahmen
Zur Entwicklung einer Risikokultur muss in einem Unternehmen eine angstfreie Fehlerkultur gelebt werden. Das bedeutet, dass Mitarbeitende bei Fehlern dazu motiviert werden, ihre Fehler zu signalisieren, anstatt zu vertuschen, da sie sich nicht vor Konsequenzen zu fürchten haben. Kann diese Art der angstfreien Fehlerkultur innerhalb eines Unternehmens aktiv gelebt werden, wird es auch gelingen, die eigene Risikokultur weiterzuentwickeln. Ein Beispiel dazu sind die in der Start-up-Szene der USA bekannten «Fuck-up-Events», bei denen Misserfolge in einem lockeren Umfeld geteilt und reflektiert werden. Die offene Kommunikation über Risiken und Fehler trägt dazu bei, das Vertrauen der Mitarbeitenden zu stärken und neue Opportunitäten zu entwickeln. Nur wenn Sie Ihre Mitarbeitenden mit ins Boot holen, können Sie Ihre Risikokultur matchentscheidend weiterentwickeln.
Ausblick
Für KMU wird es zunehmend wichtiger, auf die Komplexität und die Dynamik globaler Märkte zu reagieren. Daher ist es entscheidend, die Agilität und Resilienz der KMU zu stärken. Die Digitalisierung und die Vernetzung von Lieferketten sowie die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit und Compliance werden das Risikomanagement künftig entscheidend mitprägen. KMU tun deshalb gut daran, ihre Risikomanagementstrategien kontinuierlich anzupassen und weiterzuentwickeln, um diesen künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein.

Manuela Geissler arbeitet als Managing Consultant bei der mundi consulting ag und berät Kunden in den Bereichen Risikomanagement, Projektmanagement und Beschaffung. Vor ihrer Tätigkeit in der Beratung war sie jahrelang im Einkauf tätig und kennt daher die Herausforderungen von Einkäufern sowie Einkaufsleitern aus erster Hand. Sie selbst machte die Erfahrung, dass Risikomanagement nicht nur potenzielle Störungen in der Lieferkette frühzeitig erkennt und minimiert, sondern auch entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und die Qualität der zu beschaffenden Waren und Dienstleistungen ist.