Regionaler Event: Nachhaltigkeit im strategischen Einkauf – Mit ESG-Rating-Tools zum Netto-Null-Ziel
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Die Dimensionen von ESG: Umfassende Anforderungen an den Einkauf
Elisabeth Frey, Leiterin Nachhaltigkeit & Digitalisierung bei procure.ch, eröffnete die Veranstaltung und betonte, dass die ESG-Dimensionen – Umwelt, Soziales und Governance – weit über die traditionellen Einkaufskriterien hinausgehen. Die Teilnehmenden wurden daran erinnert, dass die Einhaltung von ESG-Standards heute mehr bedeutet als nur gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Es erfordert auch eine kulturelle Transformation innerhalb der Organisationen. So spielen CO₂-Emissionen, Energieverbrauch und Abfallmanagement ebenso eine Rolle wie Arbeitsbedingungen, Inklusion und ethische Standards. Diese Aspekte spiegeln nicht nur die Verantwortung des Unternehmens gegenüber der Umwelt und Gesellschaft wider, sondern auch gegenüber den eigenen Mitarbeitenden und Partnern entlang der Lieferkette. Madelaine Guyer von swisscleantech führte als Moderatorin charmant durch den Tag und ergänzte die Beiträge kompetent mit fachlichen Inputs.
ESG als strategischer Vorteil: Mehr als nur Compliance
Adrian Peyer von MME Legal hob in seiner Präsentation hervor, dass ESG nicht nur ein moralisches Gebot darstellt, sondern für Unternehmen auch eine wirtschaftliche Chance sein kann. Die Einhaltung der ESG-Standards hilft nicht nur, Reputationsrisiken zu minimieren, sondern auch, Investoren und Geschäftspartner für sich zu gewinnen. Zudem ermöglicht ESG-konformer Einkauf eine strategische Zukunftssicherung: «Unternehmen, die sich jetzt an ESG-Standards orientieren, positionieren sich als zukunftsorientiert und verantwortungsbewusst», erklärte Adrian. Ein wichtiger Treiber für diese Entwicklung ist der zunehmende gesellschaftliche Druck und die wachsende Nachfrage nach Transparenz und ethischem Verhalten von Unternehmen.
Best Practices: Das ESG-Rating-Tool «esg2go» im Praxiseinsatz
Marc Wegmüller von Wegmüller Attikon stellte seine Erfahrungen mit dem ESG-Rating-Tool «esg2go» vor, das speziell für die Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung von KMU entwickelt wurde. Dieses Tool hilft Einkäuferinnen und Einkäufern, die ESG-Konformität ihrer Lieferketten transparent zu machen und gezielt zu steuern. Marc unterstrich, dass die Integration solcher Tools keine Kür, sondern eine notwendige Praxis für verantwortungsvolle Einkaufsprozesse ist. Er betonte, dass «esg2go» insbesondere bei der Auswahl von Lieferanten unterstützt, die langfristig die ESG-Standards erfüllen können. Die Vorteile sind nicht nur die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, sondern auch Kosteneinsparungen durch optimierte Material- und Ressourcennutzung.
Erfolgreiche ESG-Integration in der Praxis: Die Paneldiskussion
Eine tiefgehende Podiumsdiskussion brachte wertvolle Einblicke in die praktische Umsetzung der Netto-Null-Ziele. Madeleine Guyer von swisscleantech diskutierte mit Marco Hebeisen (Zurich Versicherung), Ruth Freiermuth Knuchel (Schweizerische Post AG) und Tina Kempf (Lyreco Schweiz). Die Teilnehmenden diskutierten, wie der «One-Way-Druck» zugunsten einer partnerschaftlichen Entwicklung abgelöst werden kann und wie Einkäuferinnen und Einkäufer sich in der Vielfalt der Nachhaltigkeitszertifikate zurechtfinden. Die Beschaffungspraxis stehe vor der Herausforderung, ESG-Standards wirtschaftlich zu gestalten und gleichzeitig hohe Qualitätsansprüche zu erfüllen. Die Aufwände zur Erlangung der erforderlichen Nachhaltigkeitsnachweise stellen hier einen Balanceakt dar.
Sie machten deutlich, dass ein kontinuierlicher Austausch mit den Lieferanten und eine klare, partnerschaftliche Kommunikation unabdingbar sind, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Hebeisen erklärte, dass sich durch ESG-konforme Einkaufsstrategien nicht nur ökologische, sondern auch finanzielle Vorteile realisieren lassen. Freiermuth Knuchel betonte, dass sich die Schweizerische Post AG zunehmend auf enge Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten stützt, um die Einhaltung der Nachhaltigkeitsstandards entlang der gesamten Lieferkette sicherzustellen.
Ausblick: Nachhaltigkeit als Standard im Einkauf
Der Event endete mit einer Schlussdiskussion, in der die Teilnehmenden ihre Erkenntnisse und Fragen einbrachten. Eine zentrale Erkenntnis war, dass ESG im Einkauf langfristig als Standard etabliert wird und sowohl aus ethischen, geschäftlichen, aber auch regulatorischen Gründen in allen Unternehmensbereichen verankert sein sollte. Der rege Austausch beim anschliessenden Networking Apéro zeigte, wie gross das Interesse und die Motivation innerhalb der Branche sind, den Wandel gemeinsam voranzutreiben.
Dieser Event bot einen umfassenden Überblick über die Chancen und Herausforderungen der ESG-Integration im Einkauf. Die vorgestellten Tools und Strategien helfen Unternehmen dabei, nicht nur den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, sondern auch langfristige Wettbewerbsvorteile zu erzielen und ihre Attraktivität für Geschäftspartner und Investoren zu steigern. Der Erfolg nachhaltiger Einkaufsstrategien steht und fällt jedoch mit der Bereitschaft aller Akteure entlang der Lieferkette, gemeinsam und transparent an Lösungen zu arbeiten.
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