«Es ist wichtig, dem Prozess des Lebens zu vertrauen»
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Frau Höller, 2016 haben Sie aufgrund eines schweren Unfalls Ihre Karriere als Stuntfrau beenden müssen. Wie sind Sie mit diesem lebensverändernden Schicksalsschlag klargekommen?
Erst einmal konnte ich überhaupt nicht damit umgehen. Die schlimmen Erlebnisse haben
mich völlig überfordert. Sie haben mich von jetzt auf gleich aus meinem beruflichen Dasein gerissen. Das Leben im Rollstuhl war als freiheitsliebender, sehr sportlicher Mensch für mich wahnsinnig schwierig. Lange war es mein grösster Antrieb und Wunsch, ein baldiges Comeback als Stuntfrau zu feiern. Doch nach zweieinhalb Jahren wurde mir bewusst, dass Rückschläge dafür da sein können, sich zu hinterfragen und neu auszurichten. Das habe ich getan und bin nun glücklich darüber, unter anderem als Keynote-Speakerin unterwegs sein zu dürfen.
Sie haben sehr viel erlebt – beruflich wie privat. Warum haben Sie das Gefühl, als Keynote-Speakerin nun genau am richtigen Platz zu sein?
Wir leben in sehr unruhigen und unsicheren Zeiten. Die Menschen suchen nach Halt und Orientierung. Noch bevor ich mich als Stuntfrau selbstständig gemacht habe, liess ich mich zur Sport- und Fitnesskauffrau ausbilden. Im Rahmen dieser Ausbildung traf ich als junge Frau schon auf Keynote-Speaker, deren Worte mich inspiriert und ermutigt haben. Nach den erwähnten persönlichen Tiefschlägen und meiner Rückkehr ins Rampenlicht haben mich die Menschen kontaktiert, um zu erfahren, wie man an Herausforderungen nicht zerbricht, sondern wächst. Ich machte dann genau dies zu meinem neuen Beruf: Menschen und Unternehmen mit meinen Vorträgen dabei zu unterstützen, Krisen nicht nur negativ wahrzunehmen, sondern sie als Chance für positive Veränderungen zu nutzen.
Was sind die Hauptbotschaften, die Sie den Zuhörenden vermitteln möchten?
Allem voran geht es mir darum, dem Publikum zu sagen, dass es wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen, dass auch mal mutige Entscheidungen getroffen werden sollten und dass es notwendig ist, dem Prozess des Lebens zu vertrauen!
Wie gehen Sie heute ganz allgemein mit dem Thema Angst um – Angst vor Unfällen, Angst vor einschneidenden Erlebnissen im privaten oder beruflichen Umfeld?
Das Leben hat mir meine Grenzen brutal aufgezeigt. Es hat mir gezeigt, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Es hat mir auch gezeigt, dass unsere Existenz auf dem Papier bei Weitem nicht immer fair ist. Ich dachte früher: wenn ich ein guter Mensch bin und fleissig arbeite, wird mich das Leben reich beschenken. Nur ist das oft nicht so. Heute habe ich aufgrund meiner Tiefschläge keine Angst mehr vor dem Leben, sondern lediglich grossen Respekt. Ich weiss, wie zerstörerisch und gemein es sich anfühlen kann. Und zugleich weiss ich, wie wunderschön es ist, und zugleich voller Chancen. Es liegt an mir zu entscheiden, worauf ich den Fokus richte, und ich werde ihn weiter darauf richten, in diesen unsicheren Zeiten ein Vorbild für andere zu sein. Dabei ist es mir auch wichtig, meine Mitmenschen unter meine Fittiche zu nehmen, ihnen zu helfen, sich neu zu entdecken, zu entfalten, über sich hinauszuwachsen.
Sie waren viele Jahre lang Stuntfrau. Gibt es Parallelen zwischen diesem wahrlich nicht alltäglichen Beruf und Ihren aktuellen Tätigkeiten als Speakerin, Buchautorin und Unternehmerin?
Sehr viele sogar! Jeder Stunt ist ähnlich umzusetzen wie das Führen eines Unternehmens. Man braucht ein starkes Team im Rücken, in dem sich jedes Mitglied seiner Kompetenzen oder Schwächen bewusst ist. Man muss Freude daran haben, ein Wagnis einzugehen. Man sollte eine gute «Scheiterkultur» besitzen, ehrlich und offen kommunizieren, klare Ziele und Träume haben und vor allem Feuer und Flamme für die Sache an sich sein.
Sie sprechen vom Scheitern. Welches sind die wichtigsten Lektionen, die Sie in Bezug auf Misserfolg, aber auch Erfolg in Ihrer Karriere bisher gelernt haben?
Ich habe verstanden, dass es eben gar kein Scheitern gibt. Das Leben und auch das Unternehmertum sind ein ständiges Auf und Ab. Wir sind so vielen Eventualitäten und Risiken ausgesetzt. Wirklich gut werden wir nur darin, mit den täglichen Herausforderungen umzugehen, wenn wir sie trainieren und uns eine gute Resilienz erarbeiten. Resilienz ist die Grundlage, souverän mit jeglicher Art von Veränderung umzugehen. Erfolg handkehrum bedeutet für mich, frei leben zu können. Ich bin kein Spielball meiner Emotionen oder der äusseren Umstände, sondern stets Gestalter meines beruflichen und privaten Lebens.
Wie sehen Sie Ihre eigene Zukunft? Gibt es Projekte, auf die Sie sich besonders freuen?
Ich habe die letzten Jahre sehr intensiv an meinem Buch gearbeitet. Es wird am 30. Januar 2025 erscheinen und gibt viele Einblicke in meine grössten Erfolge, meine schmerzhaftesten Tiefschläge und den harten Weg zurück zu neuem Glück und vor allem zum Frieden mit den Ungerechtigkeiten des Lebens. Es ist wohl das intensivste Projekt, das ich je umgesetzt habe. Für mich war das Schreiben ein ungeheuerlich anstrengender Prozess. Da lasse ich mich doch lieber vom Auto anfahren oder von Kopf bis Fuss anzünden. Das ist natürlich ein Witz, aber es hat mich schon sehr herausgefordert. Doch ich hatte stets vor Augen, für wen ich dieses Buch schreibe – nämlich für all die Leute, die gerade mit einer Herausforderung zu kämpfen haben und händeringend nach Lösungen, Antworten und Orientierung suchen.
Wie wichtig ist bei all der Arbeit das Thema Selbstfürsorge in Ihrem Berufsleben?
Mein Leben und das «System», das ich mir aufgebaut habe, können nur funktionieren, wenn ich kraftvoll bin. Somit ist die Selbstfürsorge extrem wichtig. Alles beginnt bei mir. Wenn ich mich zuerst immer um alles auf meiner To-do-Liste kümmere, von A nach B hetze und keine Prioritäten setze, werde ich früher oder später auf der Strecke bleiben, und das gesamte System bricht zusammen. Damit wäre absolut niemandem geholfen. Ich baue also bewusst Pausen ein, sage zu vielem Nein und achte auf mein Energielevel.
Würden Sie genau dies einer jüngeren Version von sich selbst raten, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Unter anderem; ich würde mich aber auch davon überzeugen, wie wichtig offene und ehrliche Kommunikation sowie das Bitten um Hilfe sind. Ich wollte in jüngeren Jahren immer beweisen, wie cool und stark ich bin, und zeigen, dass ich alles alleine schaffen kann. Das ist natürlich Quatsch. Die grössten Erfolge schaffen wir doch nur als Team, und es macht auch unheimlich viel Spass, diese stolzen Glücksmomente mit seinem Team zu teilen und zu feiern.
Frühjahrstagung 2025: Sei dabei!
Besuche die Frühjahrstagung 2025 im Bellevue Palace in Bern und sichere dir deinen Platz für diesen aussergewöhnliche Event. Unter anderem wird Miriam Höller als Speakerin mit einem inspirierenden Vortrag begeistern.
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